Gespräche mit 2 Neurologen

Nach alldem, was ich erlebt habe, würde ich mich doch so bezeichnen, dass ich ganz gut mit Katastrophen umgehen kann. Doch was sich im Mai des heurigen Jahres abgespielt hat, war eine echte Herausforderung. Wie schon erzählt, das MRT sah „komisch“ aus. Der Radiologe meinte „erinnert an …“. Der Neurologe meinte „sieht aus als …“. Von einer Sekunde auf die andere wurde bei mir eine hochaggressive Form der MS in den Raum gestellt. Ich verstand die Welt nicht. Mir ging es so gut wie schon lange nicht mehr und dann das! In meinem neurologischen Befund stand dann „eine leichte depressive Verstimmung“. Leicht? Und noch nie hatte ich von dieser Form der MS gehört. Jahrelang wurde ich von einem Neurologen betreut, der weltweit als Koryphäe in Sachen MS gilt. Warum ich plötzlich die Eingebung hatte, den Neurologen zu wechseln, weiß ich bis heute nicht. Da saß ich also mit meiner leicht, depressiven Verstimmung, dachte nach, grübelte, googelte und befragte Dr. Wikipedia. OK ich sterbe folgerte ich. Das nächste MRT erspar ich mir schon, da schau ich mir schon die Tomaten von unten an. Zu der leicht, depressiven Verstimmung kam dann auch noch ein Kribbeln im Kreuz. Dann in der Schulter, dann im Arm, dann im Bein, dann … ich ster … NEIN! Ich rufe meinen „alten“ Neurologen an. Zusammen mit Sarah, meiner besten Freundin, gings also zum „alten“ Neurologen. „Was steht hier?“, befragte er mich mit kritischem Blick. „Sieht aus als …“, stotterte ich … Er lehnte sich zurück und blieb entspannt. „Sie sind in der Stadt, sehen einen Mann, der aussieht wie Ihrer – bei näherer Betrachtung und genauer Begutachtung, erkennen Sie, dass es nicht Ihr Mann ist.“ Neben mir saß Sarah und lächelte. Er fuhr fort, „Verstehen Sie, was ich meine?“- Ich sah zu Sarah, ein kleinlautes „Ja.“, Sarah kniff mich in den Arm, „Es schaut nur so aus. Aber es ist nicht das was ich befürchte.“. meinte ich. „Und warum?“, wollte er wissen, „Weil es,“ fuhr er fort, „klinisch unmöglich ist. Sie haben dieses eine Plaques seit sieben Jahren, und es wird kleiner, sie würden nicht mehr hier sitzen, wenn es „das“ wäre.“, so seine Antwort.
Never change the doctor. Ein Arzt, der jemanden jahrelang betreut, kennt die ganze Krankengeschichte. Er kann sich viel besser ein Bild über die Situation machen, als ein Arzt, der ganz neu an Bord ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s