99 Tage | Wenn MSler als psychisch instabil bezeichnet werden

Wir MSler werden schnell als psychisch instabil und immer auf den Körper horchend bezeichnet

Am 11. September 2016 schrieb ich in meinem Blog: Ende der Sommerpause. Ja, war auch das Ende der Sommerpause, aber da hatte ich „es“ schon drei Wochen. Es kam über Nacht. Mein Körper stand in Flammen und ich hatte keine Ahnung warum.

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Foto „Pixabay“

Ich lief von Arzt zu Arzt. Niemand konnte mir helfen. Es brannte und brannte. Mein ganzer Tag drehte sich um einen Gedanken. Es brennt.

Ich brenne.

Zu einer Vertrauten sagte ich „Warum hilft mir niemand?“. Ich quälte mich aus dem Bette und stand in Flammen. Antibiotikum, schmerzstillende Medikamente, Salben, Bäder, nichts brachte  die gewünschte Linderung. Ich duschte eiskalt und brannte weiter. Irgendwann kam eine Ärztin und meinte, ich solle mir psychologische Hilfe holen. Das sollte die Lösung sein? Ich sprach mit einer Psychologin, sie gab mir Tipps, gab mir Hinweise, wie ich mir selbst helfen könnte, damit das Brennen aufhört. Denn, vielleicht brannte ich gar nicht, sondern war es schier Einbildung.

Warum hilft mir niemand?

Ich brannte weiter. Woche um Woche, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Mittlerweile waren meine Kosten für eine Linderung exorbitant angestiegen. Wahlärzte, Bluttests, Medikamente, etc. Schließlich holte ich mir abermals einen Ratschlag einer Vertrauten und die hatte eine Idee. Ich kenne einen hervorragenden Diagnostiker. Sprich mit ihm. Er ist ein Kassenarzt. Gesagt, getan. Mit all meinen Medikamenten, Cremes, etc. stand ich vor der Empfangsdame und flehte um einen Termin, heute und jetzt. Ich gehe nicht mehr. Ich brauche jetzt HILFE. Eine Stunde später, mit viel Tränen und Verzweiflung, lächelte mich der Arzt an. Ich habe hier so einen Verdacht, meinte er, gab mir ein Rezept und entließ mich mit den Worten, wir sehen uns in zwei Wochen wieder. Zwischenzeitig fürchtete ich mich vor jeden Wochenende, denn wenn ich keinen Arzt erreichen konnte, brannte ich noch mehr. Zugegeben das war Hysterie. Kurz vorm Durchdrehen, weil auch diese Salben mir nicht helfen konnten, suchte ich ein weiteres verzweifeltes Gespräch mit dem Arzt. Es hilft nicht, schrie ich ins Telefon. Er – ganz ruhig – es wird ca. zehn Tage dauern, bis eine Linderung eintreten wird. Die ausgleichend einwirkende Unterhaltung auf mich ließ mich die zehn Tage durchhalten. Und dann vergaß ich zum Ersten Mal seit 99 Tagen (ich habe es später gezählt) an mein Brennen zu denken. Gut gelaunt bekochte ich meinen Mann, trank ein Glas Wein mit ihm und plauderte unentwegt. Irgendwann sah er mich schließlich an und meinte „Ist „es“ weg?“. Ich hielt inne. JA! Ja, es hatte nach gelassen.

Nach zwei Wochen besuchte ich den Arzt abermals, bepackt mit einer guten Flasche Wein.

DANKE!

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich bis heute noch nicht, was es wirklich war. Es war eine Hauterkrankung. Aber egal. Es war nicht meine Psyche und schon gar nicht war es Einbildung. Wie es gekommen ist oder woher auch das weiß ich nicht. Wollte es am Ende auch nicht mehr wissen.

Wir MSler werden schnell als psychisch instabil und immer auf den Körper horchend bezeichnet. Aber hallo! Wir leben mit einer chronischen Erkrankung die täglich neu „zuschlagen“ kann. Wir sind weder psychisch instabil noch hören wir ständig auf unseren Körper. Unsere Sinne sind nur sehr geschärft und wenn wir Schmerzen oder Beschwerden verspüren hat das in der Regel absolut nichts mit unsere Psyche zu tun.

 

 

 

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