Rückblick

„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“
Astrid Lindgren (Schriftstellerin)

So! Bald kommt 2020. Wieder ein Jahrzehnt vorbei. Ein Jahrzehnt, welches mit vielen Erinnerungen zurück bleiben wird:

2010: Mein Mann und ich beschlossen mit einer großen Weiterbildung zu starten. Grund dafür war Leonard Cyril Deighton, bekannt als Len Deighton, ein englischer Autor. Der Spionagefigur „Bernard Samson“, einem MI6-Agenten, hat Deighton 3 Trilogien gewidmet. Es verstand sich also von selbst, dass man als Len Deighton Fan nicht nur international denken sondern sich auch danach verhalten musste. Wir lernten Russisch und ich lehrte meiner Waage, mich nicht zu belügen. Ich drohte ihr, dass ich ihr die Batterien wegnehme, wenn sie weiterhin Lügen über mich verbreiten würde. Ich kaufte mir eine Winterjacke.

2011: Unser 19jähriger Kater sagte uns „I glaub i geh jetzt. I woa scho vü zlang do!“ und verabschiedete sich. Was not funny. Die Waage hatte keine Batterien mehr. Ich musste es tun. Sie war gemein. Beim Luftholen riss die Winterjacke aus dem Vorjahr an den Nähten auf.

2012: Zuwachs im Hause Gussger. Sie waren acht Wochen alt, winzig klein und unheimlich schnell. Selbsterklärend dass die beiden, also der Kater den Namen Bernard Samson, kurz Sammy, und die Kätzin Fiona Samson, kurz Finny, fortan voll im Dienste Ihrer Majestäten, den Gussgers,  (oder umgekehrt). waren. Einmal in der Woche staubte ich die Waage ab. Sie sollte wissen, dass ich böse bin auf sie. Ich kaufte mir eine neue Winterjacke.

2013: Was really not not not funny. Mein Mann kämpfte um sein Leben und gewann die Prüfung. Es entstand der Blog „Zerrissene Welt“. Ich wollte über meine Angst um meinen Mann schreiben, denn wenn ich schreibe, würde sie weniger werden, dachte ich.

2014: Aus dem Blog entstand ein Buch. Ich suchte und fand einen Verleger. Wir lernte kein Russisch mehr. Die Waage erhielt Batterien. Sie hatte verstanden und gelernt. Ich war 30 Kilo leichter und kaufte mir eine neue Winterjacke zwei Nummern kleiner.

DANKE an alle, die bisher gelesen haben :-).

2015: Unsere tapfere großartige Katzendame Nelly verabschiedete sich für immer. Der Goldegg-Verlag machte es möglich und im Juli erschien mein Buch „Zerrissene Welt“. Gleichzeitig kam erneuter Zuwachs. Zwei rote Kater. Nun waren es vier! Aber was wären die Gussis ohne Spione. Die Figur des Geheimagenten George Smiley wird nun von unserem roten Kater Smiley verkörpert. Und der dritte Bursche nun im Bunde ist Harold Adrian Russell Kim Philby, also schlicht unser Flippi. Einst ein britischer Doppelagent. Voller Stolz wurde ich im Herbst zur „Frau des Jahres“ nominiert, was zu schallendem Gelächter unserer Katzendame Finny geführt hat. Wenn, dann nur sie, kann zur Diva des Jahres gewählt werden. Schliesslich hat sie drei Kater fest im Griff. Die Waage wurde wieder frech.

2016:  Ende 2016 verabschiedete ich mich von einem Unternehmen, in welchem ich seit 2004 tätig war und zog in ein neues grosses Abenteuer. Und jetzt, jetzt, aber jetzt wirklich, werde ich Superstar. Ich begann mit dem Buch „Zehn Leben“. Ich kaufte mir eine neue Winterjacke, eine Nummer größer.

2017: Ich schrieb an „Zehn Leben“ und brach mir die Hand. In der Nacht hörte ich die Waage gemein kichern.

2018: Ich schrieb an „Zehn Leben“ und kaufte mir eine Winterjacke eine Nummer größer.

2019: Ich schrieb an „Zehn Leben“ und spürte es ICH WERDE BERÜHMT! Voller Elan begann ich zeitgleich mit dem zweiten Buch. Im Oktober kaufte ich mir eine Winterjacke und begann mit dem dritten Buch. Viele, viele Ideen sind in meinem Kopf. Im Dezember kugelte ich mir den Daumen aus.

29. Dezember 2019: Mein Buch „Zehn Leben“ ist fertig, nicht verlegt, ich bin nicht berühmt, meine Waage zeigt Höchststand an. Aber:

„Leben wird nicht gemessen an der Zahl von Atemzügen, die wir nehmen; sondern an den Momenten, die uns den Atem nehmen.“
Maya Angelou (Schriftstellerin)

In den letzten zehn Jahren gab es ein paar Momente, welche mir den Atem raubten, aber wenn ich zurückdenke, so fühle ich mich als Glückskind. Vieles erschien mir fremd, unfair, hat mir Angst gemacht und dennoch war es letzten Endes gut. Vielleicht nicht alle Dinge, aber Viele, haben einen Sinn.

Foto: Katharina Schiffl

Es bleibt weiterhin spannend.